Robert Walser

„Die Häuser, die sie bewohnen, sind sauber wie sie selber, die Strassen, die sie bauen, sind ein bisschen holperig, genau wie sie selber, und das elektrische Licht, das ihre Dorfstrassen Abends beleuchtet, ist praktisch, wiederum exakt wie sie selber.“ (Der Gehülfe)

leicht verschneit wird das Gedankgrab von Robert Walser gezeigt. Schwarzer Stein, keine Schrift auf dem Grabstein lesbar. Ein schwarzer Wegweiser verweist im Vordergrund auf das Grab, mit Pfleil und dem Text "Robert Walser"

Heute, am arbeitsfreien Tag, Besuch bei Robert Walser, Friedhof Herisau, Appenzellerland: Walser hat in dieser Gegend lange Spaziergänge unternommen. Beim Spaziergang am Weihnachtstag 1956, allein unterwegs, ist er infolge eines Herzschlages zusammengebrochen und gestorben, begraben im Schnee.

Ausgereichnet im Schnee. Viele seiner Texte sind dem Schneien gewidmet. Und seine Werk Der Spaziergang ist meines Erachtens ein Monument moderner Literatur, auch wenn sich ein solcher Begriff bei Walser fürs Erste verbietet, dem Verkleinerungskünstler. Ob seiner Sprache verschlägt es mir die Sprache…

1933 wurde Robert Walser gegen seinen Willen in die „Heilanstalt“ Herisau, in die Psychiatrie, eingewiesen und beendete seine literarische Tätigkeit. Er lebte 23 Jahre in der Klinik Herisau, zuvor rund vier Jahre in der Klink Waldau in Bern.

Outliner

Mit Workflowy (> Wikipedia) habe ich die von uns getesteten PKM-Tools (> externer Link) gelistet und (subjektiv) charakterisiert. Im Fokus sind Outliner. Dabei handelt es sich nur um Anregungen, nicht um Empfehlungen. Eure eigene Evaluation ist gefragt.

Ich arbeite damit in meiner Textwerkstatt, wobei es vor allem um die Methoden geht, wie „Wissenslandschaften“ gepflegt werden können. Im Fokus sind hier die so genannten Outliner (Gliederungs-Editoren). Leitmotivisch formuliert: nicht Notizen kleben, „Wissenslandschaften“ pflegen.

Die Outliner bieten eine strikte Hierarchisierung von „Knoten“ (zum Beispiel Textschnipseln), aber mehr als das: Jeder Knoten kann mit jedem anderen verknüpft und jeder in jedem anderen gespiegelt werden. Zudem lassen sich die Rückverweisungen in Hub Sites „sammeln“. Über die ganze „Wissenslandschaft“ hinweg lassen sich überdies Tags definieren, welche eine weitere (autonome) Zugriffsmöglichkeit bieten. Dies in aller Kürze Kernelemente von Methode und Funktionalität.

Friedrich Kittler

Einer der wichtigsten – wie soll ich sagen? – „Mentoren“ für mich, der mein Denken stark beeinflusst hat, ist Friedrich Kittler. Ab 1993 war er Professor für Ästhetik und Medientheorie („Geschichte der Medien“) an der Humboldt Universität in Berlin. Er starb am 18. Oktober 2011 in Berlin, heute ist sein Todestag. Friedrich Kittler war „einer der einflussreichsten und bedeutendsten deutschen Medientheoretiker und Begründer der Berliner Schule der Medienwissenschaft„, wie die Universität im Nachruf schreibt.

Sein „Dracula-Text“ beispielsweise ist für mich eine Inspirationsquelle geblieben. Aus diesem (Seite 16) stammt das Wort:

„Das Wort der Liebe wird gesendet, wird empfangen, wird von den Empfängern wieder gesendet, vom Sender wieder empfangen undsoweiter undsoweiter, bis die Regelschleifenverstärkung jenen Wert erreicht, der in der Wechselstromtheorie Schwingbedingung und im kurrenten Diskurs Liebe heißt.“

Gerade dort, wo Kittlers Aussagen verwegen wirken, erreichen sie ihre Qualität. Oder um ihn aus einer Vorlesung zu zitieren: „Man muss vieles härter denken…“

Innenseite der Aussenseite

Projekt Schieflage. Aussenhin ist idyllisch schön, klein niedlich, vertraut bindend. Aussenhin ist Sonntagsspaziergang. Aber die Aussenseite hat eine Innenseite. Diese kann wunderbar erschreckend, düster wie Glück und abgründig wie rauschendes Leben sein.

“Die Häuser, die sie bewohnen, sind sauber wie sie selber, die Strassen, die sie bauen, sind ein bisschen holperig, genau wie sie selber, und das elektrische Licht, das ihre Dorfstrassen Abends beleuchtet, ist praktisch, wiederum exakt wie sie selber.” (Der Gehülfe, Robert Walser)

Mein Einstiegstext, Projekt Schieflage

Max Weber

„Es ist durchaus wahr und eine (…) Grundtatsache aller Gesichte, dass das schliessliche Resultat politischen Handelns oft, nein: geradezu regelmässig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichen Sinn steht.“

Max Weber, Politik als Beruf, 1919 (zitiert von Silvano Moekli, Politologe, beim ehemaligen blauben Vogel)