Unaufhaltsame Messengerisierung?

Basil Höneisen, Redakteur beim Hochschulmagazin SUBSTANZ (FHS St.Gallen), Nils Ruckstuhl, Chefarzt in Flawil, und ich im Gespräch: Entstanden ist ein Beitrag von Basil Höneisen in der aktuellen Ausgabe.

„Eine Woche Ferien, 400 ungelesene E-Mails. Was früher noch undenkbar schien, ist heute bei vielen Alltag. Dabei betreffen die meisten Mails interne Angelegenheiten. Dieser Problematik begegnet die IT mit Messengern. Reto Eugster, ehemaliger Leiter des Weiterbildungszentrums, sieht in der Chat-Kommunikation Potenzial für ganze Branchen – neue Geschäftsideen wollen geweckt werden.“ Weiter lesen…

PDF-Gesamtausgabe des Hochschulmagazins SUBSTANZ (Wechsel zur Webseite der FHS St.Gallen)

Foto: Printscreen Signal Messenger, www.signal.org

Wechsel und Wandel

Ende April war es soweit. Nach fast 30 Jahren habe ich meine Tätigkeit für die FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, aufgegeben. Eine starke emotionale Bindung wird bleiben, es waren für mich erfüllende Jahre, für die ich dankbar bin. Die letzten fünf Jahre, in der Funktion als Leiter des interdisziplinären Weiterbildungszentrums WBZ-FHS, sehe ich als eine Art Höhepunkt meiner beruflichen Entwicklung. Zu meinem Nachfolger wurde Rubén Rodriguez Startz gewählt, eine ausgezeichnete Entscheidung des Wahlgremiums.

Beibehalten werde ich die Leitung des Masterstudiums Psychosoziale Beratung. Dabei handelt es sich um ein Euregio-Masterprogramm, bei dem die Fachhochschule Vorarlberg sowie Schloss Hofen, Zentrum für Wissenschaft und Weiterbildung, beteiligt sind. Auch im Innovation Board des Zentrums arbeite ich weiterhin mit.

Ansonsten freue ich mich, in die Rolle des Lernenden zu wechseln, nochmals selber zu studieren. Im Alter ist mein Lernbedürfnis angeschwollen…

Foto: Rückblick auf 30 Jahre, Studentenfoto, Input meines Freundes Marcel Meier Kressig

Abschied

27. April: Mein letzter Tag an der FHS St. Gallen. Nach fast 30 Jahren steht der Abschied an. Ich blicke zurück auf eine Verkettung glücklicher Umstände. In den letzten fünf Jahren habe ich als Leiter des interdisziplinären Weiterbildungszentrums gearbeitet. Einen Dank an so viele, die mich begleitet, gefördert, herausgefordert haben.

Signal Messenger sichern

Zum Projekt Psychosoziale Beratung, Messenger-Fachzirkel:

Tipp für Android-User: Das regelmässige Sichern der Unterhaltungen ist beim Signal Messenger einfach möglich. Die Backups werden verschlüsselt gespeichert. Backup-Funktion aktivieren:

  1. Menu wählen, dann „Einstellungen“
  2. „Unterhaltungen und Medieninhalte“ wählen
  3. „Unterhaltungen sichern“
  4. 30-stellige Passphrase von links nach rechts, von oben nach unten, notieren und sicher (separat) aufbewahren. Für die Wiederherstellung unverzichtbar.
  5. Bestätigen, dass Passphrase notiert ist.
  6. „Sicherungen aktivieren“ wählen

Für die Verschlüsselung der Passphrase auf dem Smartphone kann übrigens  Cryptomator genutzt werden.

Weitere Infos zum Signal Messenger…

Mut zum Experimentieren

Das 7. Bildungsforum der FHS St. Gallen war auf Diskussion hin angelegt. In diesem Jahr wurde auf das programmatische Eröffnungsreferat verzichtet und mit der Tradition gebrochen. Stattdessen widmeten sich zwei Diskussionsrunden den „künstlichen Intelligenzen“ in der Bildung. Dadurch gewann das Bildungsforum an Dynamik.

Insgesamt ging es jedoch um viel mehr und vor allem: um anderes als um den Titel der Veranstaltung („Maschine vs. Mensch“). Um den Bildungsbegriff beispielsweise. Philipp Tingler zeigte an der Differenz Ausbildung / Bildung die Grenzen künstlicher Intelligenzen auf. Er sehe nicht, wie Bildung durch so etwas wie Bots bedroht werden könnte. Anders sei die Ausgangslage bei der Ausbildung.

Jürg Stuker unterstrich, dass die aktuelle Digitalisierungsdiskussion Anlass sein soll, sich die Frage nach der Innovationsfähigkeit des Bildungssystems zu stellen. So sei nicht die Einführung eines Fachs Informatik gefragt, sondern die informatische Perspektive im Lerngeschehen insgeamt. „Hinein ins Experimentieren“, rief der den Lehrpersonen zu, das sei das Gebot der Stunde.

Für Adrienne Fichter zeigt gerade der aktuelle Facebook-Skandal, wie wichtig eine politische und rechtliche Rahmung der intransparent operierenden „Grossplattformen“ sei. Sie begrüsste die Einführung der bevorstehenden europäischen Datenschutzgrundverordnung als Erfolg. „Wenn wir ehrlich sind, kann uns der aktuelle Facebook-Skandal nicht überraschen. Das Geschäftsmodell von Facebook bringt solche Probleme mit sich. Wir alle haben es seit Jahren wissen müssen.“

Totengebete und Facebook-Likes?

Sterben und Tod: Im Zuge veränderter Mediennutzung wandeln sich auch Formen des Trauerns. Prof. Dr. Reto Eugster im Gespräch mit Claudia Deuber über die Medialisierung des Trauerns.

Was ist typisch für die Art, wie heute mit Sterben und Tod umgegangen wird?
Der Umgang mit Sterben und Tod unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel. Während die Vorstellungen von Sterben und Tod vom frühen Mittelalter bis hinein ins 18. Jahr­hundert weitgehend religiös „gezähmt“ waren, erleben wir heute ihre Psychisierung und Ästhetisie­rung. Der Tod ist nichts mehr, was uns „schicksalhaft“ ereilt, dem wir uns ergeben, sondern ist eine Zu­mutung, die der medialen Skandalisierung bedarf.

Was ist mit Psychisierung und Ästhetisierung gemeint?
In einer stark indivi­dua­lisierten Gesellschaft sind Sterben und Tod Angelegenheiten des Einzelnen. Nun droht der Umgang mit der Angst vor dem Tod zum psychischen Problem zu werden, das im Zweifel psychopharmakologisch behandelt wird. Anderseits ist der Tod in seinen medialen In­szenie­­­rungen allgegenwärtig. Ob im TV-Krimi, in der Tagesschau, bei stark frequen­tier­ten YouTube-Sequenzen oder in historischen Dokumentationen usw.: Es geht um die Klischierung und Mythisierung von Sterben und Tod. Wir sprechen zusammenfassend von der Ästhetisierung des Todes.

Weiterlesen „Totengebete und Facebook-Likes?“ →

Signal Messenger als Alternative

Seit der Übernahme durch Facebook ist Whatsapp in der Kritik. Inwiefern und inwieweit werden Metadaten zwischen Whatsapp und Facebook ausgetauscht? Das ist die Frage, die sich (datenschutzrechtlich) stellt. Hinzu gesellt sich die Skepsis gegenüber den angedachten Geschäftsmodellen von Whatsapp, die offenbar Werbung vorsehen.

Auf der Suche nach einer Alternative bietet sich der Signal Messenger an. Seine Entwicklung wird von einer Stiftung getragen, der pikanterweise ein Gründer von Whatsapp angehört (mittlerweile nicht mehr im Dienste von Whatsapp).

Bei der Entwicklung von Signal spielte der Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike die entscheidende Rolle. Signal gilt heute als „sicherer“ Messenger und der Code ist offen einsehbar (Open Source). 2016 analysierte „ein Team der University of Oxford, der Queensland University of Technology und der McMaster University das Signal-Protokoll formal … Das Ergebnis war, dass das Signal-Protokoll sicher ist und die Anforderungen, wie Forward Secrecy, erfüllt“. (Wikipedia, 11.3.2018)

Inzwischen gibt es den Signal Messenger für die unterschiedlichsten Plattformen, auch eine Desktop-Version ist erhältlich. Er ist kostenlos, werbefrei und leicht zu bedienen. Seine Installationsbasis dürfte inzwischen  gegen 10 Millionen umfassen (Schätzung).

Bei unseren Projekten arbeiten wir konsequent mit dem Signal Messenger und nutzen dabei besonders oft die Gruppen-Funktion. Diese ist allerdings zurzeit auf das Wesentliche beschränkt und durchaus ausbaufähig. Gemäss Open Whisper Systems soll die interne Roadmap den Ausbau der Gruppenfunktion vorsehen.

Download und weitere Infos: www.signal.org

Eindrückliche Resonanz

Obwohl die Euregio-Weiterbildungszentren (Schloss Hofen und FHS St.Gallen) einen zusätzlichen Zertifikatslehrgang Mediation in das laufende Programm eingeschoben haben, gibt es bereits wieder eine Warteliste für die Mediationsausbildung.

Grund für diese enorme Nachfrage dürfte sein, dass sich dieses Angebot nicht nur für Fachkräfte eignet, die als Mediatorinnen oder Mediatoren arbeiten wollen. Der Lehrgang richtet sich auch an Professionals, die mediative Methoden (Methoden der Konfliktvermittlung) in ihrer angestammten beruflichen Praxis anwenden wollen. Ihnen geht es weniger um „klassische Mediation“ als vielmehr um die Erweiterung ihrer Kompetenz im Konfliktmanagement.

Das Know How für den Umgang mit Konflikten ist in unterschiedlichen Branchen und Zusammenhängen gefragt. Denn Organisationen verlieren nach wie vor viel Zeit und Geld mit nicht bewältigten Konflikten.

Gemeinsam mit Elmar Fleisch leite ich seit Herbst 2017 diesen Lehrgang.