Alternativen

Nein, „Alternativen“ (Mastodon, Pixelfed, Loops usw.) können und sollen nicht die Monster-Plattformen „angehen“. Sie begründen soziale Nischen – und diese sind von anderer Qualität. Ziel ist die zivilgesellschaftliche Aneignung technologischer Optionen.

Beispielsweise nutze ich Pixelfed (Fotografie) und neu (April 26) Loops für Kurzvideos. Alles experimentell, als Lernfelder… Föderierte Lösungen: Das sind Apps, die über verschiedene Server hinweg miteinander kommunizieren. Das macht unabhängig von Einzelanbietern. Die Alternativen sind Open Source und bieten die Möglichkeit zu Dezentralität.

Minimalistisch und schick

NotallyX für die Notiz aus der Kneipe

Als „Wissensarbeiter“ nutze ich seit Jahren Obsidian. Davon habe ich hier öfters berichtet. Für mich schlicht das Mass meines Personal Knowledge Managements (pkm). Obsidian ist unglaublich leistungsstark, nicht zuletzt dank der 2’749 kostenlosen Erweiterungen aus der dynamischen Community (Stand März 2026). Allerdings erfordert die Nutzung Lernbereitschaft. Für Studium und Wissenschaft, wenn man sich damit befasst, erkenntnisgenerierend.

Aber: Für Kurznotizen in der Kneipe, Stichworte von unterwegs usw. brauche ich auf dem Handy ein simples (und schickes) Notiz-Tool, abseits von Tracking-Monstern wie Google Notizen usw. Überhaupt mag ich Software, die sich nicht auf der Basis einer Features-Dichte empfiehlt, sondern durch funktionale Fokussierung.

In der letzten Zeit hatte ich dank der Zugverspätungen ausreichend Zeit, Tools zu testen. Konkret waren dies Quillpad (mit Nextcloud-Sync), Another Notes, Material Notes, WriteOn, Notally und NotallyX. Viele andere interessante Tools waren angesichts meines Anforderungsprofils („minimalistisch und schick“) zu „fett“.

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Messengerisierung

Messengerisierte Kommunikation stellt besondere Anforderungen an kommunikative Kompetenz: Dabei zeigen sich generationale Brüche.

  • Chat-Kommunikation ist näher beim Gespräch als beim Brief. Deshalb wird ein „Gesprächsfluss“ erwartet, bedeutet: kurze Reaktionszeiten. Ausgedehntes Warten auf Antworten führt zu Verständigungslücken und eröffnet Räume für Projektionen.
  • Es geht hier nicht um abgeschlossene kommunikative Einzelakte wie bei E-Mails, sondern um einen „endlosen“ Kommunikationsfluss („Stream“-Kommunikation). Deshalb beginnen und enden z. B. Texte nicht mit Formalien (formale Ansprache, Abschlussfloskeln usw.), sie entstehen „mittendrin“.
  • Die Qualität der Chat-Kommunikation zeigt sich wesentlich in der Dimension des Dialogischen: Wird aufeinander Bezug genommen? Sind die Inputs anschlussfähig? Zeigen sich Formen der (symbolischen) Zuwendung?
  • Schriftlichkeit, Sprachnachrichten, Fotos, Emojis, Memes, Videos usw.: die Integration unterschiedlicher medialer Formen ist zentral für die Chat-Kommunikation.
  • So wie Dialekte auf Geografie verweisen, verweisen Soziolekte auf soziale Milieus. Chat-Kommunikation erzeugt Bedeutung – sozialen Sinn – kontextbezogen, situativ, koproduktiv. Mittels Soziolekten wird über Zugehörigkeit und Ausschluss disponiert.
  • Chat-Kommunikation ist Zuwendungskommunikation insofern, als phatische Aspekte zentral sind. Oft steht nicht der Informationsgehalt im Vordergrund, sondern die soziale Funktion der Zugewandtheit.

Obsidian, eine Bilanz

In meiner Tätigkeit ist das Persoanl Knowledge Management (pkm) zentral. Wie lässt sich all das Gelesene, Gehörte, Diskutierte usw. in einen merkfähigen Zusammenhang bringen?

Seit knapp vier Jahren verwende ich dafür die Software Obsidian und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Weshalb habe ich Obsidian:

  • Markdown: Obsidian arbeitet mir Markdown-Dateien. Dieses Format bietet die grösstmögliche Zukunftssicherheit. Die Dateien liegen in Plain Text vor und können von unterschiedlichen Tools gelesen werden.
  • Mobile: Das Tool arbeitet lokal, allerdings gibt es eine leistungsstarke, ausgezeichnete Mobile Version. Die Daten lassen sich mit unterschiedlichen Devices synchronisieren (E2E verschlüsselt). Es gibt einen offiziellen kostenpflichtigen zusätzlichen Service, den ich empfehle. Auch kostenlose Varianten sind im Netz verfügbar (Plugins). Die Software selber ist privat und geschäftlich mittlerweile kostenlos nutzbar. Mit der Wahl des „offiziellen“ Sync-Tools unterstütze ich die Entwicklung. Und die Synchronisation funktioniert stabil und problemlos für rund 44 Euro im Jahr.
  • Privacy: Da die Daten grundsätzlich lokal bleiben, sind Datenschutz und Privacy optimal gelöst. Und das ist bei derart sensiblen Daten (zum Beispiel in der Wissenschaft) unerlässlich. Andere Tools sind hier im Nachteil, beispielsweise Workflowy usw.
  • Community: Obsidian verfügt über eine engagierte, aktive Community, welche rasche und kompetente Unterstützung bietet. So sind aus der Community über 2500 Erweiterungen für Obsidian entstanden. Es gibt im Netz zahlreiche hilfreiche Anwendungsbeispiele und -konzepte, welche den Einstieg erleichtern. Aber Obsidian schafft einen Lernbedarf und fordert Lernbereitschaft. Das muss gesagt sein.
  • Anpassbarkeit: Obsidian ist weitgehend an persönliche Bedürfnisse und Vorlieben anpassbar. Dies jedoch hat eine „Schattenseite“: User müssen bereit sein zur Selbstvergewisserung: Was genau ist für mich richtig? Was brauche ich an pkm-Funktionalität? Das lässt sich rasch formulieren, ist nicht immer einfach zu bewerkstelligen.

Inzwischen bin ich rund 9800 Schnipsel älter. Nach wie vor ist das System optimal erweiterbar und stabil funktionsfähig. Daten, die ich mobil verfügbar haben will, kann ich verschlüsselt synchronisieren und zum Beispiel auf mein Smartphone spielen. Auf meine Daten kann ich übrigens auch mit anderer Software zugreifen.

Nieselregen & Fritten

Nieselregen und meine Finger glitschen über das Phone, warten auf dich am verdreckten Bahnhof, bizarre Angebote am Strassenrand, Olivenöl über fette Fritten, zweites Schultheiss für dich, verzeih mir diesen Winter und dass ich es nicht besser kann, zusammen ins Glück hinein verelenden, „hast du Feuer?“, poröse Versprechen, unbedarfte Umarmungen, heute für immer, so unkaputtbar werden wir nie wieder sein. Deine Haut, so sanft: komm, Sternschnuppe Berlin

Serie Kurztexte „Berlin“, B-Werkstatt: Text Reto Eugster („Vorinstanz“)

Alternativen

Cloud-Speicher: proton.mecryptpad.fr (Speicher, Kollaboration, Privacy)
Fotos: crypt.eepixel.tchncs.de (Pixelfed, Server als Beispiel)
Mailing: mailbox.orgposteo.deproton.memailfence.comwww.thunderbird.net (Client Mobile)
Übersetzung: www.deepl.com
Office: www.libreoffice.orgpersonal.onlyoffice.com
Browser: www.torproject.orgwww.mozilla.orglibrewolf.net
Suche: www.mojeek.comduckduckgo.com
Social Media: bsky.app/ (Bluesky) – mastodon.social (Mastodon)
Video: joinpeertube.org/de
VPN: protonvpn.com/ (kostenlos, werbefrei)
Messenger: element.iosignal.orgbriarproject.org (Peer-To-Peer)

Subjektiv, keine Empfehlungen, Hinweise zum selber prüfen und allenfalls testen; auch „Alternativen“ können „problematisch“ sein

Marianne Faithfull

Marianne Faithfull ist tot. Eine Ikone. Wie traurig. Höhen und Abgründe, Rausch und Musik. Eine Stimme, die trägt. Auch nach ihrem Tod. Die Sängerin starb im Alter von 78 Jahren. Sie kämpfte lange Phasen ihres Lebens mit Sucht und Krankheit.

In frühen Zeiten wurde sie über ihren damaligen Partner Mick Jagger „definiert“, den sie mit 17 kennenlernte. Doch es ist ihr gelungen, sich als grossartige Sängerin zu etablieren und sich von der „Jagger-Geschichte“ zu emanzipieren, siehe den Ausschnitt aus dem Jazz-Festival in Montreux.

Nach langer Kontaktpause schrieb Jagger zu ihrem Tod – und es ist, als würde er sich – der Spur nach – nun über sie definieren:

„Ich bin so traurig über den Tod von Marianne Faithfull. Sie war so lange Teil meines Lebens.“ (Threads)