{"id":2371,"date":"2019-01-06T18:16:23","date_gmt":"2019-01-06T16:16:23","guid":{"rendered":"https:\/\/retoeugster.ch\/blog\/?p=2371"},"modified":"2024-12-26T16:20:53","modified_gmt":"2024-12-26T14:20:53","slug":"sozialearbeit40","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/retoeugster.ch\/blog\/sozialearbeit40\/","title":{"rendered":"Soziale Arbeit 4.0?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Bodenseetagung 2018 in St. Gallen widmete sich dem Thema Soziale Arbeit 4.0. Inwieweit ist die Entwicklung Sozialer Arbeit durch die &#8222;Digitalisierung&#8220; gepr\u00e4gt und bestimmt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Rahmen der Tagung fanden Fachgespr\u00e4che mit den Referentinnen und Referenten der Tagung statt. Hier das Gespr\u00e4ch mit <a href=\"https:\/\/www.retoeugster.ch\">Reto Eugster<\/a>, leicht&nbsp;gek\u00fcrzt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Soziale Arbeit 4.0, was bedeutet das f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em>Diese Z\u00e4hlweise ist in Bezug auf Soziale Arbeit unergiebig. Damit werden die drei industriellen Revolutionen bezeichnet, <em>Mechanisierung<\/em>, <em>Massenfertigung <\/em>und <em>Informatisierung<\/em>. Unter dem Begriff der &#8222;vierten industriellen Revolution&#8220; schliesslich ist Unterschiedliches subsumiert und die Aussagen sind vage. Zudem kann argumentiert werden, dass die wesentlichen Grundlagen der aktuellen Umw\u00e4lzung bereits im Verlauf der dritten Revolution entwickelt wurden. Und es geht um Jahrhundertspr\u00fcnge. F\u00fcr die meisten Fragen, die sich der Sozialen Arbeit heute stellen, ist der analytische Wert eines solchen Epochenmodells fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist Soziale Arbeit nicht st\u00e4ndig mit gesellschaftlichem Wandel konfrontiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> Diesem Argument kann ich einiges abgewinnen. Dass sich Soziale Arbeit im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen ver\u00e4ndert, ist kein Spezifikum aktueller Verh\u00e4ltnisse, sondern unvermeidlich und in ihrer Funktion angelegt. Besonders ist aber, wie offensichtlich die Technologiegetriebenheit gesellschaftlicher Entwicklung geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Herausforderungen bestehen aus Ihrer Sicht f\u00fcr die Soziale Arbeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> Die Soziale Arbeit ist zweifach herausgefordert. Einerseits ver\u00e4ndern sich Formen der Alltagsbew\u00e4ltigung grundlegend. Davon sind die Zielgruppen Sozialer Arbeit angesichts ihres oft prek\u00e4ren Alltags in besonderem Masse betroffen. Anderseits erleben wir gerade, wie sich Erwartungen an Organisation und Dienstleistung Sozialer Arbeit umzuw\u00e4lzen beginnen. Diesbez\u00fcglich stehen wir am Anfang einer Entwicklung. Beispiel <em>Blended Counselling<\/em>: In der Schweiz ist vielen Expertinnen und Experten der Sozialen Arbeit klar, dass sich Beratungsangebote ver\u00e4ndern werden, ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Die Zug\u00e4nge zu diesen Angeboten sind tendenziell zu hochschwellig, die Sigmatisierungsrisiken zu unberechenbar usw. In Fachkreisen entwickelt sich Nervosit\u00e4t. Das ist gut so.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist Soziale Arbeit dem gewachsen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> Ich denke schon. Sie hat sich historisch betrachtet als \u00e4usserst wandlungsf\u00e4hig gezeigt. Aber, und das vermag nicht zu \u00fcberraschen: Soziale Arbeit wird einem st\u00e4rker werdenden Ver\u00e4nderungsdruck ausgesetzt sein und dies an Orten, an denen wir es nicht erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Soziale Arbeit 4.0: Was wird besser?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> F\u00fcr mich geht es nicht prim\u00e4r um die Frage, ob etwas besser wird und folglich auch nicht um die Frage, <em>was <\/em>besser werden k\u00f6nnte. Die Soziale Arbeit wird nicht umhinkommen, Umw\u00e4lzungen lebensweltlicher Bedingungen zur Kenntnis zu nehmen und darauf zu reagieren, einfach, um \u00fcberhaupt dem Auftrag und schliesslich ihrem Anspruch gerecht werden zu k\u00f6nnen. Es geht nicht um die Eleganz des Abw\u00e4gens: Sollen wir mitmachen oder nicht, wollen wir &#8222;Digitalisierung&#8220; oder nicht? Soziale Arbeit kann sich nicht losgel\u00f6st von dieser Entwicklung verorten. Sie wird sich in ein Verh\u00e4ltnis dazu definieren und reformulieren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat Soziale Arbeit zu bef\u00fcrchten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Frage nach den Bef\u00fcrchtungen weiterhin im Mittelpunkt steht. Es ginge aber darum, Potenziale zu entwickeln, und zwar im Hinblick auf die genuin sozialarbeiterische Perspektive. Zwei Fragerichtungen dr\u00e4ngen sich auf: Wie kann Soziale Arbeit soziotechnische Entwicklungen nutzbar machen? Wie kann technologieinduzierten Risiken <em>sozialarbeiterisch <\/em>begegnet werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Muss&nbsp;sich die Soziale&nbsp;Arbeit&nbsp;angesichts dieser Entwicklungen wieder st\u00e4rker&nbsp;\u00f6konomisch ausrichten?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reto Eugster: <\/em> M\u00f6glicherweise ist es Kennzeichen einer Sozialen Arbeit 4.0 \u2013 und das sage ich nicht ohne S\u00fcffisanz \u2013, dass sie sich ihre Stich- und Reizworte nicht mehr von Managementtheorien, sondern von kollaborativen, nischenartigen Zirkeln technologischer Entwicklung besorgt. Unfreundlicher formuliert: Die Orientierung an \u00f6konomischer Trivialmechanik hat sich f\u00fcr die Soziale Arbeit nie bew\u00e4hrt. Zu unabsehbar ist im Zuge der \u00d6konomisierung das Risiko der Selbsttrivialisierung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Foto: Podium an der Bodenseetagung 2018,&nbsp;von&nbsp;links&nbsp;nach&nbsp;rechts,&nbsp;Reto&nbsp;Eugster, Roger M\u00e4rkli,&nbsp;<a href=\"http:\/\/sarah.genner.cc\/\">Sarah&nbsp;Genner<\/a>, Menno Labruy\u00e8re&nbsp;(Moderator); Foto von&nbsp;der&nbsp;FHS&nbsp;St. Gallen&nbsp;zur&nbsp;Verf\u00fcgung&nbsp;gestellt&nbsp;(Dank an&nbsp;Stefan&nbsp;Ribler).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bodenseetagung 2018 in St. Gallen widmete sich dem Thema Soziale Arbeit 4.0. Inwieweit ist die Entwicklung Sozialer Arbeit durch die &#8222;Digitalisierung&#8220; gepr\u00e4gt und bestimmt? Im Rahmen der Tagung fanden Fachgespr\u00e4che mit den Referentinnen und Referenten der Tagung statt. 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